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Mädesüß - das Vierzigerleikraut

Bereits Hildegard von Bingen (1098-1179) schätzte Mädesüß als wertvolle Heilpflanze für viele Krankheiten und ließ sie in ihren Klostergärten kultivieren.

Der alte Volksname für Mädesüß – Vierzigerleikraut – zeigt, dass diese vielseitige Heil- und Nutzpflanze bereits früh eine große Wertschätzung genoss. So wurde sie traditionell als universelles Mittel gegen angeblich 40 verschiedene Krankheiten, Leiden und Zwecke eingesetzt, häufig bei leichten Gelenkschmerzen sowie im Zusammenhang mit Erkältungskrankheiten.[1]

Ein kleiner Steckbrief

Pflanzenfamilie

  • Rosengewächse

Merkmale und Herkunft

  • Wuchshöhe: 50 bis 200 cm hohe, krautige Staude.
  • Blütezeit: Juni bis August.
  • Blüten: Cremeweiße, schaumige, stark süßlich duftende Blütenrispen
  • Standort: sonnig bis halbschattig; feuchte, lehmige und nährstoffreiche Böden. Feuchte Wiesen, Gräben, Ufergebiete und Auwälder.

Inhaltsstoffe

  • Salicylaldehyd
  • Flavonoide (u. a. Quercetin-, Kämpferol- und Spiraeosid-Derivate)
  • Gerbstoffe
  • Fund weitere Begleitstoffe

Wirkung:

  • entzündungshemmend/li>
  • schmerzlindernd
  • fiebersenkend
  • adstringierend (zusammenziehend)
  • schweißtreibend
  • leicht harntreibend
  • Anwendungsgebiete: Volksheilkundlich bei Erkältungen, Fieber, Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen, rheumatischen Beschwerden und zur Förderung der Durchblutung.[1]

Ernte

  • Bei der Ernte von Mädesüß können sowohl die jungen, grünen Blätter als auch die Blütenstände und Früchte geerntet werden. Die Kräuter können bevorratet und getrocknet werden. Beim Trocknen der Kräuter sollten die Blütenstände aufgehängt werden.

Duftende Täler

Ist das eine oder andere Heilkraut unter Umständen schwierig zu finden oder auch zu bestimmen – gibt es beim Mädesüß die gute Nachricht.

Es ist mit seinen gelblich-weißen Mädesüßblüten nicht nur optisch einfach zu erkennen, es verströmt auch einen einzigartigen Geruch.

Mädesüß riecht sehr intensiv. Der Duft ist süß und schwer, und erinnert an eine Mischung aus Vanille, Honig und Mandeln.

Dieser süßliche Geruch hat der Pflanze auch ihren Namen gegeben. Mahdsüße (der süßliche Duft von gemähten Wiesen oder auch die englische Bezeichnung „meadowsweet“ (Wiesenduft)). Im Mittelalter dienten die duftenden Blüten zum Aromatisieren von Honigwein (Honigwein).

In der Zeit von Juni bis August verwandelt Mädesüß, das häufig in größeren Beständen auftritt, naturbelassene Bachufer und Feuchtgebiete in duftende Täler.

Zerreibt man die Blätter und Stängel, riecht man diesen typischen Duft: süßlich, aromatisch, leicht mandelartig, aber auch etwas herb und medizinisch durch die Salicylsäure.

Und damit kommen wir zu den beeindruckenden Eigenschaften dieser Pflanze.

Mädesüss an Uferregionen
Mädesüss an Uferregionen.

Das Aspirin der Wiesen

Die Wirkung von Mädesüß erinnert an Aspirin.

Zu den Inhaltsstoffen gehören unter anderem Salicylaldehyde und Salicylsäuremethylester, die den Stoffen in der Aspirin-Tablette ähnlich sind.

Und hier darf man auch "medizinisch" korrekt sein. Mädesüß ist keine Aspirin-Tablette in Pflanzenform. Es enthält natürliche Salicylat-Vorstufen und verwandte aromatische Verbindungen, die zur historischen und pharmakologischen Einordnung wichtig sind.

ASS, das auch bei Hufrehe eingesetzt wird, kann und sollte nicht einfach durch 50 Gramm Mädesüß ersetzt werden. Der Grund ist leicht verständlich: Die Wirkstoffmenge schwankt je nach Pflanzenteil, Standort, Erntezeitpunkt, Trocknung und Zubereitung. Außerdem wirken Pflanzenextrakte nicht über einen isolierten Einzelstoff, sondern über ein Gemisch verschiedener Inhaltsstoffe. Das heißt, die Wirkung ist nicht klar definierbar.

Mädesüß wurde früher Spiraea ulmaria genannt und hat dem Aspirin den Namen gegeben. Er leitet sich von „A spiraea“ ab, was nichts anderes als „aus der Spierstaude stammend“ heißt.

Hier zeigt sich deutlich, dass viele Arzneistoffe ihren Ursprung in Naturstoffen haben oder von Kräutern inspiriert wurden.

Die vergessene Schmerzpflanze

Trotzdem hat Mädesüß für Pferde und auch für Menschen ein sehr breites Einsatzgebiet, auch wenn man von der Vorstellung abrücken sollte, einen Tablettenrohling mit Blättern, Blüten und Wurzeln zu verarbeiten.

Aber hier wird es interessant: Untersuchungen im Labor können immer nur einen Teil der möglichen Wirkung abbilden.Was dabei zunächst nicht sichtbar wird, ist, wie der Stoffwechsel die aufgenommenen Pflanzenstoffe verändert.

Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass die entzündungsmodulierende Wirkung nicht nur durch die ursprünglichen Pflanzenstoffe, sondern auch durch Stoffwechselprodukte erklärbar sein könnte, die erst nach der Aufnahme entstehen.

Wie und wie stark Mädesüß wirkt, kann deshalb individuell unterschiedlich sein. Mädesüß ist keine pflanzliche Kopie eines starken Schmerzmittels mit Dosierangabe. Eher ist es als eine milde, traditionelle Pflanze mit plausiblen entzündungsmodulierenden Eigenschaften einzustufen.

Als begleitende Maßnahme macht ihre blutverdünnende, schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung, bei akuter oder subklinischer Hufrehe also durchaus Sinn.

Gerade hier kann die Wirkung vom Mädesüß durch die Kombination mit Weidenrinde verstärkt werden. Beide Kräuter regen die Durchblutung an und fördern so die Regeneration im Inneren des Hufs. In der Hemmung von Schmerzen wirken die Kräuter unterschiedlich und ergänzen sich. Während bei Mädesüß die schmerzlindernde Wirkung schnell eintritt, ist die von der Weidenrinde langsamer, dafür aber länger. Deshalb werden beide häufig auch als kombinierte Kräutermischung (1:1) angeboten und können täglich mit 30–50 Gramm (etwa eine Handvoll) unter das Futter gemischt werden.[2]

Aufgrund der harntreibenden Wirkung kann diese Kräuterkombination auch bei einer Insulinresistenz eingesetzt werden, die ja häufig als Auslöser der Hufrehe diskutiert wird.

Weniger bekannt ist, dass gerade auch ältere Pferde mit Muskelproblemen oder Arthrosen, besonders in der nasskalten Jahreszeit von der schmerzstillenden Wirkung des Mädesüß profitieren können.

Auch bei Erkrankungen der Sehnen, Gelenke und Bänder, wie z.B. OCD ( „Chips“), Fesselträgerschäden oder arthrotischen Schüben, kann Mädesüß unterstützend eingesetzt werden.

Magen, EGUS und Schleimhäute:
Der besondere Widerspruch des Mädesüß

Unterschiedlich sind die Meinungen bezüglich der Anwendung bei Störungen im Magen-Darm-System. Hier verbirgt sich ein interessanter Widerspruch: Salicylate kennen viele vor allem im Zusammenhang mit Magenreizungen, denn ASS kann die Magenschleimhaut belasten. Ein großes Problem bei Rehepferden, die oft aufgrund der reduzierten Futtermenge bereits ein gewisses Risiko für eine Magenproblematik haben.

Aber wie passt das zusammen, dass ausgerechnet Mädesüß traditionell auch bei Magenbeschwerden verwendet wird?

Die Antwort liegt auch hier in der Gesamtkomposition der Pflanze. Mädesüß enthält nicht nur salicylatartige Verbindungen, sondern auch Gerbstoffe, schleimhautaffine Polyphenole und Flavonoide. Einige präklinische Untersuchungen beschäftigen sich mit möglichen gastroprotektiven Effekten, also mit schützenden Einflüssen auf die Magenschleimhaut.

Gerbstoffe können bei gereizten Schleimhäuten eine abdichtende, zusammenziehende Wirkung entfalten. Gleichzeitig können Polyphenole antioxidative Prozesse beeinflussen. Die moderne Datenlage ist hier nicht eindeutig und auch hier zeigt sich wieder, dass die sehr individuelle Komponente Stoffwechsel ein wichtiger Punkt bei der Verabreichung und Einnahme von Kräutern ist.

Bei bestehenden Magengeschwüren oder einer medikamentösen Behandlung sollte Mädesüß dennoch nicht auf eigene Faust eingesetzt werden. Die experimentellen Hinweise auf mögliche schleimhautschützende Eigenschaften ersetzen keine klinischen Daten zur Anwendung bei EGUS.

„Wer Rheumatismus, Gicht oder Muskelschmerzen behandelt, sollte auch einmal an diese Pflanze denken.“

– Cornelia Stern

Im 17. Jahrhundert hatte der englische Arzt Nicolas Culpeper, ein simples und dennoch sehr wirksames Rezept für seine Kolikpatienten. Mädesüß wurde in Wein ausgekocht und der Sud anschließend auf den Bauch aufgetragen und einmassiert. Diesem Rezept war er so erfolgreich, weil über die Haut Salicylaldehyd in den Körper gelangt, was dann in der Leber in die entzündungshemmende, fiebersenkende und schmerzstillende Salicylsäure umgewandelt wird.[3]

Wohl kaum einer wird heute noch Kolikpatienten auf diese Weise behandeln, aber trotzdem eignet sich Mädesüß hervorragend für Einreibungen bei Gelenk- und Gliederschmerzen, Prellungen oder anderen stumpfen Verletzungen.

Ernte, Trocknung und Lagerung

Mädesüß kann je nach Pflanzenteil von Mai bis August geerntet werden:

Historische Darstellung
Mädesüss bei der Trocknung

Junge Blätter sammelt man im Frühling (Mai) vor der Blüte, während die aromatischen Blütenrispen von Juni bis Juli (bzw. bis August) im voll erblühten Zustand geschnitten werden.

Geerntet wird das Mädesüß an einem trockenen, sonnigen Vormittag, dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Zum Trocknen hängt man die Pflanze in kleinen Büscheln an einen schattigen, gut durchlüfteten Ort, ohne direkte Sonneneinstrahlung. Nach dem vollständigen Durchtrocknen können Blätter und Blüten zerkleinert werden und müssen vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden. So bleibt die Qualität bis zu zwölf Monate erhalten.

Rezepte

Mädesüß-Tinktur

  • Büten sammeln: Ein Schraubglas locker mit frischen Mädesüßblüten füllen.
  • Ansetzen: Die Blüten mit 40-prozentigem Alkohol (etwa Korn oder Wodka) übergießen, bis alles gut bedeckt ist.
  • Reifen lassen: Das Glas verschließen und an einem warmen Ort vier Wochen lang ziehen lassen.
  • Abseihen: Die Flüssigkeit durch ein Tuch filtern und in eine dunkle Flasche füllen.
  • Anwendung: Die schmerzenden Stellen oder Gelenke mehrmals täglich mit der Tinktur einreiben

Teezubereitung

  • Mehrmals täglich Mädesüßblüten oder -kraut mit heißem Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen, abseihen, schluckweise trinken. Maximal empfohlene Tagesdosis: Blüten: 2,5–3,5 g; Kraut: 4–5 g.

Vorsichtsmaßnahmen bei der Verwendung von Mädesüß

Mädesüß (Filipendula ulmaria) wird nicht empfohlen für Personen und Tiere mit einer Salicylatallergie oder -unverträglichkeit (Aspirin) oder für solche, die Aspirin aus anderen medizinischen Gründen meiden müssen.

Für umfassende Therapieempfehlungen, vor allem bei Pferden/Personen mit schweren Gesundheitsstörungen, sollte jedoch immer ein Tierarzt oder Therapeut hinzugezogen werden.

Quellen / Literatur

  1. European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Community herbal monograph on Filipendula ulmaria (L.) Maxim., herba, EMA/HMPC/434881/2010.
  2. PerNaturam: Weidenrinde & Mädesüß, Produktinformation und Fütterungsempfehlung, abgerufen am 14.08.2026.
  3. Stern, Cornelia: Vergessene Schmerzpflanze: Echtes Mädesüß. Zeitschrift für Komplementärmedizin 2019; 11(02): 44–46. DOI: 10.1055/a-0877-1590.

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